Samstag, 27. September 2014

Cookie

Und last but never least kam unsere süße Cookie am 07.07.2012 zu uns. Wir haben praktisch alles von ihr miterlebt. Von der Geburt bis zum Tag der Abgabe. Sie ist unsere erste Ragdoll und etwas ganz besonderes. Die Züchterin Marina hat uns immer auf dem Neusten Stand gehalten und uns mit unzähligen Bildern am Wachstum teilhaben lassen. Das war und ist etwas ganz besonderes. Genau wie die Kleine. Sie ist ein Traum von einer Katze. Total verschmust, lieb und sie hat vor gar nix Angst. 
















































 






Mittwoch, 24. September 2014

Viktor Staudt - Die Geschichte meines Selbstmords und wie ich das Leben wiederfand [Beate]


Wie bewertet man ein Buch, wenn es um ein Leben geht? Wenn das Buch erzählt, wie verzweifelt der Autor sein Leben lang war? Wenn der Autor uns von seinen Ängsten, seinen Panikattacken, ja seiner Angst vor dem Leben erzählt?Ich finde das sehr schwer. Soll man hier den Schreibstil bewerten? Ich denke nicht, dass es wirklich auf den ankommt, auch wenn der Autor hier schonungslos zu Werke ging und auch kein Blatt vor den Mund nahm. Soll man bewerten wie spannend das Buch war? Mit Sicherheit nicht. Aber was dann?

Viktor Staudt ist schon als Kind anders. Seiner Lehrerin fällt auf, dass er niemals lacht. Er ist ein Außenseiter und sich selbst genug. Seine eigene Welt ist ab einem gewissen Zeitpunkt immer nur schwarz/weiß. Die Farbe ist draußen, bei den Anderen. Für ihn gibt es keine Farben. So geht sein Leben immer weiter. Er beginnt zu stottern, die Schule ist die Hölle für ihn.

Als Erwachsener bekommt er heftige Panikattacken. Besonders wenn er sich mit anderen Menschen treffen soll. Den Mann fürs Leben kennenzulernen ist unmöglich für ihn, weil er ständig vor seinen Attacken davon läuft. Weil er nicht ehrlich ist und alles mit sich selbst abmacht. Fast niemand weiß von seinen Ängsten. Und die, die es wissen, nehmen es nicht ernst. Seine Mutter ist der Meinung er soll sich zusammenreißen, die Ärztin verschreibt ihm Beruhigungsmittel.

Es kommt so weit, dass Viktor nicht mehr weiter machen will. Ganz genau plant er seinen Selbstmord. Wirft sich vor einen Zug und...... wacht ohne Beine wieder auf. Wie schrecklich muss das für ihn gewesen sein? Wie verzweifelt  muss er darauf reagiert haben? Doch endlich bekommt er Hilfe. Es wird eine Borderlinestörung diagnostiziert. Aber sein Leben ist immer noch sehr mühsam. 

"Die Geschichte meines Selbstmords ist ein erschreckendes, ein berührendes Buch, denn wer erwartet, dass nach dem Selbstmordversuch alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, hat sich mächtig geirrt. Viktor kämpft weiter. Er kämpft gegen die vielen Barrieren für Rollstuhlfahrer. Er kämpft gegen die Angst. Er kämpft gegen sein Leben. Aber er hat erkannt, dass er darüber reden muss. Dass er sich anvertrauen muss und dass er sich Hilfe suchen kann. 

Mir hat das Buch sehr zu schaffen gemacht. Aber ich bin froh es gelesen zu haben. Ich vergebe 5 von 5 Byrons und meine Bewunderung für diesen Mann der nie aufhört zu kämpfen. Ich wünsche ihm alles Gute und dass er irgendwann ein glückliches Leben führen kann. Und wir sollten niemals vergessen: Die Menschen in unserem Umfeld die am Stärksten wirken, brauchen oft die meiste Hilfe. Schaut genau hin und lasst euch nicht abwimmeln. Hört genau zu und seid einfach nur da.

© Beate Senft                

Dienstag, 16. September 2014

Claire Legrand - Das Haus der verschwundenen Kinder [Beate]


Die zwölfjährige Victoria lebt im beschaulichen Belleville in dem alles höflich und ordentlich zugeht. Das ist Victoria ganz recht, denn sie liebt alles was ordentlich ist und hasst das Chaos. Ihr Zimmer ist der Traum aller Eltern, alles hat seinen Platz. Eine 2 im Zeugnis wäre absolut inakzeptabel und alles muss sauber und geregelt sein. Darum ist es um so verwunderlicher, dass sie sich mit dem totalen Chaoten Lawrence abgibt, der von den anderen Kindern, wegen einer weißen Haarsträhne Skunk genannt wird und der von allen gehänselt wird. Und dann ist Lawrence plötzlich verschwunden und die Erwachsenen in Belleville spielen total verrückt. Hat da Miss Cavendish, die ein Kinderheim leitet, ihre Finger im Spiel? Victoria beginnt Nachforschungen anzustellen und befindet sich plötzlich in Gefahr. Denn nichts ist mehr wie es scheint.

Das Buch wird ab 12 Jahren empfohlen, das ist auch das Alter der Protagonistin aber ich muss ganz ehrlich sagen, mein Zwölfjähriges Kind würde das Buch nicht lesen dürfen. Es ist teilweise schon recht blutig und auch manchmal eklig. Ich könnte mir die Geschichte als eine Tim Burton-Verfilmung vorstellen. Ich bin sicher, dass einige davon Alpträume bekommen würden. Andererseits geht es aber auch um Themen wie Freundschaft und Zusammenhalt und das ist natürlich für dieses Alter perfekt. Ich denke, Eltern wissen am Besten was sie ihren Kindern zumuten können und was nicht.


Mit dem Schreibstil hatte ich so meine Probleme. Er ist zwar einfach gehalten, aber mir kam er sehr kalt und trocken vor. Nein trocken trifft es nicht ganz. Er war irgendwie unpersönlich. Auch gab es immer wieder Längen. Ich kann das natürlich nur aus der Sicht eines "Erwachsenen" sehen und weiß nicht, wie es Jugendlichen dabei geht. Auch blieben teilweise Fragen offen was mich schon sehr gestört hat. Keine Frage, das Buch ist zeitweise sehr spannend aber im Prinzip war es mir vollkommen egal was mit Victoria passiert.

Was ich noch erwähnen möchte sind die wirklich schönen Illustrationen im Buch.
Ich vergebe für dieses Jugendbuch 3 von 5 Byrons, weil die Idee richtig gut war, aber sie nicht konsequent umgesetzt wurde und doch einiges offen blieb.

© Beate Senft                                   

Sonntag, 14. September 2014

Nikolas Preil - Opferstadt [Beate]


Frank möchte endlich mal dazu gehören und nicht immer nur ein Opfer sein. Darum ist er mächtig stolz als er von seinen neuen Freunden eingeladen wird, den Tag bei dem Dealer Jan zu verbringen. Als die Gruppe schließlich total zugedröhnt zu dem Haus eines Wissenschaftlers fährt und Frank als Mutprobe als erster ins Haus einsteigen soll, stimmt er natürlich sofort zu. Hätte die Gruppe gewusst was auf sie zukommt, hätte sie schnellstens das Weite gesucht, aber so laufen sie geradezu in ihr Verderben.
Währenddessen versucht Franks Vater, Kommissar Kowalski immer noch herauszufinden, was mit seinem verschwundenen Kollegen geschah. Aber was er dann entdeckt, ist das Grauen selbst.

Ich freute mich wahnsinnig auf der 4. Band der Monster, Mörder, Mutationen-Reihe, hatte ich doch bei einem Gewinnspiel die Rolle eines Opfers in diesem Buch gewonnen. Aber nicht nur ich, sondern wir waren 3 Gewinner, die ihren Namen im Buch wieder finden sollten. Jetzt wollte ich natürlich auch erfahren, wie wir gemetzelt werden. Und ich kann euch schon so viel verraten: Es war kein leichter Tod. Aber Herr Preil, dass du mich Liebesromane lesen lässt, ist ja wohl das wahre Grauen. Ich bin geschockt. ;-)

Aber auch ohne diese Rolle wäre ich wieder total begeistert gewesen. So langsam schließt sich der Kreis und es gab viele Erwähnungen von Geschehnissen aus den ersten drei Teilen. Man kann das Buch zwar auch eigenständig lesen, aber es macht viel mehr Spaß all die Zusammenhänge zu kennen. Von der erste Seite an hatte es der Autor wieder geschafft mich total zu fesseln. Und obwohl ich im Moment in einer fiesen Leseflaute stecke, flog ich nur so durch die 208 Seiten.

Nikolas Preil versteht es wirklich seine Leser zu fesseln. Der Plot war wieder sehr spannend, der Schreibstil ist manchmal etwas zu bildhaft für das Grauen das man hier findet und es werden wieder jede Menge Blut und Gedärm unter die Leute gebracht. Der irre Wissenschaftler war total klasse. Diese Figur hat mich so richtig begeistert. Warum? Das solltet ihr besser selbst lesen. Auch die anderen Dinge, die sich der Autor so einfallen ließ, haben mich richtig begeistert. 

Ich vergebe für "Opferstadt" 5 von 5 Byrons und eine Leseempfehlung für alle, die gerne in Blut waten und nicht gleich grün im Gesicht werden, wenn jemand in seine Einzelteile zerlegt wird. Mir hat es großen Spaß gemacht und ich freue mich auf den fünften und letzten Teil der Reihe "Übermensch" der am 15. Oktober 2014 erscheint. Leider ist dann die Reihe zu Ende aber ich bin sehr zuversichtlich, dass Nikolas Preil was Neues und genauso Gutes für seine Fans einfallen wird. 

Reihenfolge von Monster, Mörder, Mutationen:
1. Bierbrut
2. Amok Snuff
3. Das Fremde
4. Opferstadt
5. Übermensch (15.10.14)

© Beate Senft                           

Sonntag, 7. September 2014

Ryan David Jahn - Die zweite Haut [Beate]



Simon wird von einem Geräusch geweckt. Jemand schleicht durch seine Wohnung. Ängstlich geht er nachsehen, wer da in seine Wohnung eingebrochen ist, obwohl es bei ihm überhaupt nichts zu klauen gibt und steht plötzlich einem Mann gegenüber, der ihm bis auf die Haarfarbe und eine Narbe zum Verwechseln ähnlich sieht. In Notwehr tötet er den Fremden, denn der wollte nichts anderes als Simon auslöschen. Und was dann passiert gleicht dem schlimmsten Alptraum, denn nichts ist mehr wie es scheint. 

Was für eine irre Geschichte. Ich wäre wahrscheinlich niemals auf das  Buch aufmerksam geworden, wenn ich nicht eine tolle Besprechung auf Elements of Crime  gelesen hätte, die mich sehr neugierig gemacht hat. Umso mehr freute ich mich, als mir Heyne Hardcore das Buch als Rezensionsexemplar zuschickte. Ich fing an zu lesen und war sofort gefangen in einer Geschichte, die mich auch jetzt noch nicht loslassen möchte, obwohl ich das Buch schon länger beendet habe. 

Simon ist ein sehr seltsamer Mensch. Er arbeitet in einem Büro, seine Wohnung enthält nur das Allernötigste, er hat keine wirklichen Freunde und nach Feierabend sitzt er in seiner Wohnung und betrinkt sich. So vergehen seine Tage in öder Gleichmäßigkeit, bis dieser Mann bei ihm einbricht. Er versucht herauszufinden, wer der Mann war und warum er ihn töten wollten und je mehr er herausfindet, desto unglaublicher wird die ganze Story.

Das war mein erstes Buch von Ryan David Jahn und mit Sicherheit nicht das Letzte. Der Schreibstil hat mich total gefesselt und der Autor versteht es den Leser in seinen Bann zu ziehen. Es war keine einzige Seite langweilig und kein Wort zu viel. Der Spannungsbogen ist konstant hoch und dem Leser ergeht es wie Simon: Je mehr er liest, desto weniger versteht er, bis alles im großen Finale mit einem Paukenschlag endet. 

Ich vergebe für dieses wirklich tolle Buch 5 von 5 Byrons, den Favoritenstatus und eine Leseempfehlung für alle Hardcore-Fans. Ich werde mir jetzt gleich mal "Der Cop" und "Ein Akt der Gewalt" von Ryan David Jahn besorgen und hoffe, die beiden Bücher können mich genauso überzeugen. 

© Beate Senft                               

Mittwoch, 3. September 2014

Gastrezension zu "Max und die Festung des Schwarzen Magiers" von Dirk Petrick



Einfach Genial!


Kann man Begeisterung angemessen in Worte fassen? Ich versuch's.
Ich weiß nicht, wann mich ein Märchen, ein Kinderbuch zuletzt so fasziniert hat und kann kaum erwarten, den Abschluss der Trilogie in den Händen zu halten.

Die Geschichte beginnt mit einem kleinen Vorwort Was bisher geschah", in dem, wie man sich vielleicht denken kann, kurz Max' erstes Abenteuer (das Geheimnis des Wurzelmagiers) zusammengefasst wird. Dadurch werden Fragen, die eventuell auf den ersten Seiten des zweiten Abenteuers aufkommen könnten, schon im Vorfeld ausgeräumt und man kann vorbehaltlos einfach beim zweiten Buch einsteigen.
Ich empfehle, den ersten Teil trotzdem zu lesen, er ist es einfach wert und nur drei Bücher machen eine Trilogie doch erst komplett... ;)

Wir haben hier dieses Mal eigentlich zwei Hauptprotagonisten, die sich anfangs einen Erzählstrang teilen. Max und seine Mutter Veronika. Beide erleben recht schnell jeder in einer eigenen Erzählschleife ihre eigenen total spannenden Abenteuer, um dann im großen Finale wieder aufeinander zu treffen und gemeinsam das Buch zu beenden.

Nachdem Max lange nichts von den Elfen und Feen gehört hat, erkrankt sein Großvater schwer. Plötzlich taucht Schlunzel wieder auf und berichtet, dass die Gesundheit des Großvaters mit dem Verschwinden der Glücksfeen zu tun hat. Und so steht Max eine gefährliche und abenteuerliche Reise bevor, bei der Schlunzel zu gerne die Führung übernimmt.

Veronika, die aus irgendeinem Grund die Elfenwelt verleugnet, in der sie selbst ganz offensichtlich einmal involviert gewesen sein muß, macht sich aus lauter Verzweiflung auf in den Zauberwald, um ihrem Jungen zu helfen. Sie macht eine gewaltige Entwicklung in diesem Buch durch und es ist interessant, wie sie sich ihren Ängsten stellt und uns dabei immer näher an ihr Geheimnis führt.

Die Geschichte ist absolut spannend und kommt dabei (ist ja auch ein Kinderbuch) ohne wirkliche Gewalt aus. Kinder werden dieses Buch lieben und Erwachsene nicht bereuen, es gelesen zu haben. Beim Vorlesen bin ich mir dabei allerdings nicht so sicher... Ich behaupte nämlich, dass eure Kids, Nichten und Neffen, denen ihr das vorlesen wollt, kaum Pausen akzeptieren werden... *fg

Den Autor hat einen äußerst flüssigen und spannenden Erzählstil. Ich konnte das Buch quasi nicht mehr aus den Händen legen.
Ihr wollt keine Märchen, ihr wollt Kopfkino?... Dann seid ihr hier wirklich gut bedient! Mit seiner bildhaften Sprache weiß der Autor hier die richtigen Hebel im Hirn zu bewegen. Fangt an zu lesen, und ihr wisst, was ich meine...
Auch die Kurzen kommen nicht zu kurz, denn hier steht ihm eine Illustratorin, Daniela Heirich, zur Seite, die wirklich schöne, an die Situationen angepasste Bilder, entwirft. (Davon hätte sogar ich gerne noch ein wenig mehr gesehen.)

Auch wenn man den ersten Teil nicht zwingend lesen muß, wird der dritte Teil nötig sein, um alle Fragen restlos zu klären. Dennoch kann ich dieses Buch vorbehaltlos empfehlen für Grundschulkinder und alles, was danach kommt.
  
© TanCo                                             



Gastrezension zu "Max und das Geheimnis des Wurzelmagiers" von Dirk Petrick



Wirklich richtig toll.

Dieses Büchlein ist ein kleiner Schatz. Ein echtes Märchen und wie jedes Märchen auch ein echtes Abenteuer! Und sicher nicht nur für Kinder interessant.

Auf etwa 80 Seiten erleben wir, wie Max von der Pummelfee entführt wird und warum. Sein Opa ist mehr, als nur ein Geschichtenerzähler. Er kennt sich mit Feen und Elfen so richtig aus, kennt sie sogar persönlich und er versteht sogar die Sprache der Winde (die hier übrigens – ganz toll – nicht einfach nur Nordwind oder Südwind heißen...). Vernünftiger Weise muß er versuchen, seine Tochter wieder an die Märchenwelt heran zu führen, aus der leider einer dieser „Zwecksucher“ geworden ist.

Zitat S. 54: „Ein Zwecksucher?“, fragte Max. „Ja, so nennen wir die Menschen, die keine Fantasie mehr haben und in allem einen Sinn und Zweck sehen müssen. Sie verstehen keinen Spaß mehr und haben ihre Kindheit vergessen“, erklärte Schlunzel.

Der Autor bietet dieses Büchlein in einer flüssig zu lesenden und bildhaft spannenden Sprache dar. Es finden sich ein paar hübsche Illustrationen (von denen es gerne auch mehr hätten sein dürfen) der Pummelfee, Elfen, Max und auch seiner Mutter und dem Großvater im Inneren und auch die Ausführung von normaler zu Fettschrift bei Szenenwechsel hilft schnell dabei, sich auf Neues einzulassen.

Das Buch ist in sich abgeschlossen, sagt aber offen und ehrlich, dass es noch weitere Abenteuer um Max geben wird.

© TanCo                              

Dienstag, 2. September 2014

Hannah Kent - Das Seelenhaus [Beate]



Die Isländerin Agnes  wurde zusammen mit Sigga und Fridrik zum Tote verurteilt. Da man erst auf die Bestätigung des dänischen Königs warten muss, sollte sie in dieser Zeit bei einem Dienstmann und seiner Familie leben und sich als Magd nützlich machen. Die Familie ist alles andere als begeistert und hat Angst vor dieser Mörderin, aber im Laufe der Zeit gewöhnt man sich in der Enge des kleinen Torfhäuschens, wo alle zusammen in einem Raum schlafen, aneinander. Und dann beginnt Agnes zu erzählen. Von ihrem Leben und von der Nacht des Mordes. Und der Tag des Todes rückt unaufhaltsam näher...

 "Zuerst verstand ich nicht, warum diese Leute, Männer wie Frauen, bewegungslos dastanden und mich schweigend anstarrten. Schließlich begriff ich, dass sie gar nicht mich anstarrten. Ich, das waren zwei tote Männer. Ich, das war ein brennender Hof. Ich war ein Messer. Ich war Blut." (Seite 45)

Agnes Magnusdottir war die letzte Person, die in Island hingerichtet wurde. Die Autorin hat aus den spärlichen Zeugnissen und Dokumenten eine Geschichte gewebt, wie sie hätte sein können. Man weiß also genau, wie das Buch "Das Seelenhaus" enden wird und trotzdem war ich tief bewegt und konnte die Tränen nicht zurück halten. Das liegt zum Teil auch an dem großartigen und lebendigen Schreibstil der Autorin, an dem harten Leben in Island, an den wundervollen Charakteren und an einer unglaublichen Geschichte.

"Sie wissen nichts von mir. Und ich schweige. Ich will mich vor der Welt verschließen, ich will mein Herz verhärten und an den Dingen festhalten, die mir noch nicht genommen sind. Ich darf nicht zulassen, dass ich vergehe. In meinem Innersten werde ich an mir festhalten und dort all die Dinge bewahren, die ich gesehen und gehört und gefühlt habe." (Seite 39)

Die Autorin erzählt eine Geschichte von großen Entbehrungen und einem sehr harten Leben. Eine Geschichte von Zusammenhalt, Familie und Wärme. Aber auch eine Geschichte von Einsamkeit, Andersartigkeit und ausgeschlossen sein. Agnes war eine sehr intelligente Frau, die gerne las und die alten Sagas erzählte. Das war den Leuten ein Dorn im Auge, denn eine Frau sollte nicht so klug sein. Schon sehr früh war sie auf sich alleine gestellt und musste hart arbeiten. Vertrauen konnte sie niemanden und als sie es dann doch einmal tat, war das ihr Todesurteil.

"Wir legten Worte sorgfältig übereinander, stapelten ein Wort lückenlos auf das andere. So bauten wir zwei Türme und entfachten auf ihren Spitzen Leuchtfeuer, wie sie entlang der Straße stehen, um bei schlechtem Wetter den Weg zu weisen. Wir konnten einander erkennen, allem Nebel, aller erstickenden Gleichförmigkeit des Lebens zum Trotz." (Seite 250)

Diese Geschichte hat mich sehr tief bewegt und ich bin froh, sie gelesen zu haben. Die Menschen in Island hatten ein sehr schweres Leben. Sie lebten in kleinen Torfhütten, in denen im Winter innen die Wände mit Eis überzogen waren. Sie konnten sich glücklich schätzen, wenn sie jeden Tag satt wurden und hatten wirklich nur das aller nötigste. Die Autorin hat es geschafft, mir dieses Leben bildhaft vor Augen zu führen. 

Auch die Charaktere der Geschichte sah ich sehr lebhaft vor mir. Die hübsche etwas selbstgefällige Lauga, ihre Schwester Steina, die nicht die Hellste und die Schnellste ist, die Mutter Margaret, die ihrer Familie ein gutes Leben ermöglichen möchte, ihr Mann, der tut was er kann um der Familie ein klein wenig Luxus zu gönnen und wenn es nur eine Tasse Kaffee ist. Der junge Pfarrer, der sich vorgenommen hat Agnes auf den rechten Pfad zu bringen und Agnes selbst. Diese starke und mutige Frau. Sie alle waren sehr lebendig und authentisch und ich fühlte mit ihnen.

"Hat Steina je so gegen das Gewicht eines Knechts kämpfen müssen? Hat Steina je abwägen müssen, ob sie einem Bauer erlaubt, unter ihre Röcke zu kommen, um dann den Zorn seiner Frau zu erdulden, die sie zwingen wird die niedrigste Arbeit zu verrichten, oder ob sie sich dem Bauern verweigert, auf die Gefahr hin, bei Schnee und Nebel vor die Tür gesetzt zu werden, mit niemandem, der einem Obdach gewährt?" (Seite 203)

"Das Seelenhaus" ist ein Buch das man nicht mal schnell zwischendurch lesen kann und es wirkt noch lange nach. Ich werde noch sehr oft an Agnes und ihr Leben denken und ihre Geschichte wird mich noch eine Weile begleiten. Darum vergebe ich 5 von 5 Byrons und eine Leseempfehlung für Menschen, die sich für das Schicksal anderer interessieren und mehr über das Leben im Island des 19. Jahrhunderts wissen möchten. Ein tief bewegendes Buch.

© Beate Senft                        

Freitag, 29. August 2014

Katarina Bivald - Ein Buchladen zum Verlieben [Beate]



Durch ihre Liebe zu Büchern entsteht zwischen der Schwedin Sara und der wesentlich älteren Amerikanerin Amy eine wundervolle Brieffreundschaft. Irgendwann ist es dann so weit und die schüchterne Sara reist nach Iowa in das kleine Örtchen Broken Wheel. Doch sie kommt zu spät. Amy verstarb kurz vorher und sie kann sie nicht mehr in die Arme schließen. Die Bewohner von Broken Wheel überreden Sara in Amys Haus zu wohnen und trotzdem ihren Urlaub hier zu verbringen. Da die Bewohner ihr immer alles schenken wollen oder sie einladen fühlt sie sich nicht wohl und sie überlegt, wie sie den Leuten etwas zurückgeben kann. Da sie ihr halbes Leben in einer Buchhandlung gearbeitet hat, kommt sie auf die Idee Amys Büchersammlung zum Verkauf und Tausch anzubieten und das in einer Stadt, in der noch nie jemand freiwillig ein Buch in der Hand hatte. Um den Menschen die Bücher schmackhaft zu machen erfindet sie absolut originelle Kategorien, in die sie die Bücher unterteilt. So gibt es das Regal "Sex, Waffen und Gewalt", ein Regal namens "Kein überflüssiges Wort", "Sehr zuverlässiger Autor" und noch so viel mehr. Und auch wenn die Menschen von Broken Wheel kein großes Interesse an den Büchern haben, so finden sie doch Sara interessant genug um dem Buchladen einen Besuch abzustatten. Und bald wird er der Mittelpunkt der kleinen Stadt.  Doch irgendwann läuft Saras Visum aus......

"Ich kann um nichts in der Welt erklären, warum ich die Menschen vorziehe. Wenn man sich ihre bloße Anzahl ansieht, dann tragen auf jeden Fall die Bücher den Sieg davon - in meinem ganzen Leben habe ich wohl eine Handvoll Menschen geliebt, im Vergleich zu Dutzenden oder hunderten von Büchern (und hier rechne ich nur die, die ich wirklich geliebt habe, die, bei denen der bloße Anblick schon froh macht, über die man immer lachen muss, egal, was sonst gerade passiert, zu denen man immer wieder zurück kehrt wie zu einem alten Freund und von denen man genau weiß, wann man ihnen zum ersten Mal "begegnet" ist, ich bin sicher, du weißt was ich meine). Aber die Handvoll Menschen, die man liebt.... die ist doch mehr wert, als diese ganzen Bücher". (Seite 171)

"Ein Buchladen zum Verlieben" ist eine wunderschöne leise Geschichte mit viel Herz und der Liebe zum Buch. Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen sogar die Leserunde vergaß, und vollkommen in der Geschichte versank. Ich hatte echte Schwierigkeiten, wieder daraus aufzutauchen und auch wenn ich nicht las, dachte ich über die Charaktere nach. Sie wurden zu richtigen Freunden, die ich eigentlich nie wieder verlassen möchte und ich bin wirklich sehr traurig, das Buch beendet zu haben. Aber eins weiß ich ganz genau: Es wird nicht bei dem einen Mal lesen bleiben, denn es ist ein Buch, das man immer und immer wieder genießen kann und bei dem man trotzdem immer noch neue Facetten entdeckt. 

"Bücher sind phantastisch, und sie kommen in einer Hütte im Wald sicherlich zu ihrem Recht, aber welchen Sinn hat es denn, ein phantastisches Buch zu lesen, wenn man andere Menschen nicht darauf aufmerksam machen und darüber reden und daraus zitieren kann?" (Seite 171)

Sara ist ein richtiger Büchernerd und sie wirkt wie ein verängstigtes Reh und eigenartig weltfremd. Aber es passt zu ihrem Charakter und ich schloss sie sofort in mein Herz. Man muss Sara, die Bücher bisher immer mehr als Menschen liebte, einfach gern haben. Die Bewohner von Broken Wheel sind alle herrlich skurril aber doch herzlich und es macht wirklich großen Spaß über sie zu lesen. Zum Beispiel das einzige schwule Pärchen Andy und Carl, über die es natürlich jede Menge Gerede gibt. Oder Caroline, die taffe und gottesfürchtige Frau, die immer alles organisiert. Jen, die allen mehr oder weniger ihren Willen aufzwingt oder George, der trockene Alkoholiker, der für alle nur der arme George ist. Sie sind alle wundervoll lebendig und facettenreich und wirklich alle machen im Laufe der Geschichte eine absolut nachvollziehbare Wandlung durch. 

"Merkst du das? Der Duft von neuen Büchern. Ungelesenen Abenteuern. Freunden, die man noch nicht kennengelernt hat, Stunden magischer Wirklichkeitsflucht, die auf uns warten". (Seite 351)

Der Schreibstil der Autorin ist wundervoll warmherzig und bildhaft, so dass man mitten in den Straßen von Broken Wheel steht und alles mit eigenen Augen mitverfolgen kann. Ich saß bei Sara im Buchladen und wir lasen gemeinsam oder unterhielten uns, ich stand an der Theke von Graces Diner und trank mit ihr einen Kaffee und sie erzählte mir von den Frauen ihrer Familie, ich ging durch die Gänge von Johns Eisenwarenhandlung und kaufte meine Lebensmittel und ich saß ins Amys Haus und fragte mich, was ich eigentlich hier tue. Ich verliebte mich ein wenig in Tom und trank bei Andy und Carl ein Bier. Ich fühlte mich zu Hause, ein wenig geliebt und verstanden. 

"Was war Jesus denn gewesen, wenn man genau hinschaute; auch nur eine Art frühe Variante von langhaarigem Hippie, der seine Eltern verließ, um mit einer kollektiven Großfamilie durch die Gegend zu ziehen".  (Seite 120)

Das ganze Buch ist so wundervoll, dass ich es am Liebsten komplett zitieren würde. Das geht natürlich nicht und darum kann ich euch nur ans Herz legen, diesem Buch eine Chance zu geben. Es ist so wundervoll und ich liebe es von ganzem Herzen. Darum bekommt es von mir 5 von 5 Byrons, den Favoritenstatus und eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Es wird schwer werden ein neues Buch zu beginnen, denn in Gedanken bin ich immer noch in Broken Wheel und ich habe das Gefühl, dass ich da auch noch lange bleiben werde.

© Beate Senft                       





Montag, 25. August 2014

Grit Richter Hrs. - Steampunk Akte Deutschland [Beate]



Ihr mögt Geschichten aus dem viktorianischen Zeitalter? Ihr mögt Geschichten über verrückte Maschinen? Ihr mögt Geschichten über seltsame Kreaturen? Dann seid ihr hier genau richtig. In der Anthologie "Steampunk Akte Deutschland" sind 15 großartige Geschichten von genauso vielen Autoren enthalten, die nicht besser sein könnten. Hier findet der Steampunk-Fan wirklich alles: Verrückte Maschinen, irre Erfinder, Werwölfe, Flugschiffe, seltsame Waffen, Roboter, Zombies, Vampire, eine verdammt dunkle Zeit, schwarzen Humor und noch so viel mehr. 

Geschrieben wurden die Geschichten von folgenden Autoren:Detlev Klewer, Corinna Schattauer, Katharina Fiona Bode, Daniel Huster, Daniela Herbst, Kim Christine Wiefelspütz, Dennis Frey, Markus Cremer, Marion Fischel, Adrian Sommerfeld, Ashley Kalandur, Isabelle Wallat, Fabian Dombrowski, Andrea Bienek, Daniel Schlegel. Und sie haben alle ihre Sache richtig gut gemacht. 5 der Autoren kannte ich schon von "Die Damen der Geschichte" und ich war gespannt, was sie in diesem Buch zu bieten hatten. 

Ich möchte mir mal drei der Geschichten herauspicken und näher darauf eingehen. Wie immer war mein Sohn das Glückshörnchen und hat die Storys ausgewählt. 

"Die Geister, die ich rief" von Corinna Schattauer
In der Geschichte erfindet ein Mann eine Art Spule mit der er etwas noch nie zuvor dagewesenes präsentiere möchte. Seine Freundin Cleo soll ihm dabei zur Seite stehen und als Zeuge fungieren. Aber ob das so eine gute Idee war, das wird sich erst noch zeigen. Diese Geschichte hat mich total überzeugt. Sie ist herrlich düster und lässt trotzdem einen feinen Humor durchblitzen. Ich fand sie auch sehr spannend und der Schreibstiel machte richtig Lust auf mehr. 

"Die Tücken der Technik" von Dennis Frey
Wilhelm, der im Krieg schwer verletzt wurde, sucht sich einen Erfinder und möchte von ihm einen Anzug, der ihm seine Kraft und seine Beweglichkeit zurück gibt. Der Erfinder Joris ist von diesem Wunsch total überfordert, aber da er dringend das Geld braucht..... Und dann bekommt er ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Aber ob das so eine gute Idee war? Eine tolle und verrückte Geschichte über einen jähzornigen Mann, der auf Teufel komm raus seinen Willen durchsetzen will. Wen interessieren schon die Konsequenzen. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und hätte noch ewig weiterlesen können. 

"Der Gehilfe des Puppenmachers" von Daniel Schlegel
Ich muss zugeben, dass das eine meiner Lieblingsgeschichten in diesem Buch war. Aber bei weitem nicht die einzige. Der Sohn des besten Puppenmachers möchte die Arbeit seines Vaters fortführen. Nein, er möchte sie noch übertreffen. Doch leider kann er zwar vieles zum Leben erwecken, mit seinen Zahnrädern und Spulen, aber seine Puppen wirken leblos und unecht. Doch da kommt ihm der Zufall zu Hilfe und spült ihm einen Gehilfen vor die Füße. Plötzlich ist er berühmt und endlich konnte er seinen Vater übertreffen. Egal, dass er einiges dafür tun muss, was er vorher entsetzt abgelehnt hätte. Ich liebe diese Geschichte. Sie ist herrlich böse und hat einfach nur Spaß gemacht.

Aber so ging es mir eigentlich immer. Ich wollte immer mehr und noch mehr, aber leider war das Buch doch sehr schnell gelesen. Was ich unbedingt noch erwähnen möchte, ist die tolle Aufmachung. Der Art Skript Phantastik Verlag hat auch hier wieder, wie schon bei "Die Damen der Geschichte" großartige Arbeit geleistet. Nicht nur das Cover ist ein absoluter Hingucker, denn der tolle Schmetterling setzt sich auch auf dem vorderen Schnitt und im Buch fort. Das sieht total phantastisch aus. Vor jeder neuen Geschichte ist eine kleine Deutschlandkarte abgedruckt, wie man sie auch schwach auf dem Cover, hinter dem Schmetterling erkennen kann. 

Im Vorwort wird erwähnt, dass die "Berichte" alle zu einer Akte einer Geheimorganisation gehören. Und darum findet man immer über dem Titel, Akteneintrag #, darunter den Titel der Geschichte und darunter den Namen des Autors und die Stadt in die uns der Autor entführt. Das ist wirklich sehr schön gemacht und das Buch ist ein wahrer Schatz.

Ich vergebe für dieses wundervolle Gesamtkunstwerk 5 von 5 Byrons, den Favoritenstatus und eine Leseempfehlung für alle, die sich wieder einmal verzaubern lassen und in ein ganz anderes Deutschland reisen möchten. Ich denke, dass hier auch die Kurzgeschichtenmuffel voll auf ihre Kosten kommen, denn jede Geschichte ist ein kleiner Diamant. Ich bin jedenfalls froh, diesen Schatz in meinem Regal zu haben. 

© Beate Senft                            

Samstag, 23. August 2014

A.P. Glonn - Die andere Seite der Realität [Beate]



Seth Aspen, Second Class Inspector bei der Metropolitan Police ist mit Herz und Seele Polizist und als ein Irrer anfängt Prostituierte aufzuschlitzen, ist es seine oberste Priorität den Mann zu fangen, der sich selbst Jack the Ripper nennt. Er folgt dem Ripper von Leiche zu Leiche und überall nimmt er diesen seltsamen Geruch wahr. Warum riecht das sonst niemand? Als der Ripper England verlässt, heftet sich Aspen an seine Fersen und plötzlich ist er in Innes, auf der anderen Seite der Realität. In einer Welt, in der es Magie gibt. In der Gestaltwandler leben und in der alles anders ist, als in seiner gewohnten Welt. Doch auch dort gibt Aspen nicht auf und verfolgt weiter die Spur des Rippers, der auch hier nicht aufhört zu morden. Er trifft auf Freunde und auf Feinde, aber niemand kann ihn von seinem Vorhaben abbringen, den Killer aufzuhalten. Wird ihm das gelingen? 

Als ich las, dass es beim LUZIFER-Verlag ein Buch über Jack the Ripper geben soll, war ich kaum noch zu bremsen. Wie so viele interessiert mich dieses Thema schon seit vielen Jahren und zu gerne würde ich wissen, wer wirklich hinter dem Ripper steckte. Ich musste dieses Buch einfach haben. Zum Glück habe ich ein ABO bei diesem Verlag und bekomme automatisch die Bücher zugeschickt. Und dann war es da. Mit diesem tollen Cover von Timo Kümmel, meinem Lieblingsillustrator. Der hat wieder großartige Arbeit geleistet. Und wenn ich schon dabei bin, muss ich auch gleich mal die Qualität des Buches loben. Der Einband des Paperback ist praktisch unkaputtbar. Selbst wenn man das Buch komplett aufschlägt, bekommt man keine Leserillen in den Buchrücken. Ich habe es getestet. Das Buch lag komplett aufgeschlagen auf meinem Schoß und so las ich es. Keine Rille. Auch das naturweiße Papier finde ich sehr angenehm für die Augen, genau wie die Schriftgröße.

Aber genug zu dem Buch selbst. Es fand zur gleichen Zeit eine Leserunde auf Lovelybooks statt, an der ich sehr gerne Teil nahm, da die Autorin sie begleitete. Das war eine große Bereicherung, denn sie erzählte uns viel über ihre Beweggründe und über ihre Recherche.
Ich muss sagen, dass mich das Buch von der allerersten Seite gepackt hatte. Seth Aspen ist ein sehr sympathischer Mann, der ganz in seiner Arbeit aufgeht und dem es sehr wichtig ist, den Mord an den Prostituierten zu beenden. Auch wenn er ziemlich alleine da steht. Sein Chef hat da eine ganz eigene Meinung: 
"Es ist nicht unsere Aufgabe, uns um tote Huren zu kümmern. Sie sind nichts anderes als Fleisch, in dem Fall sogar nur totes Fleisch, verkündete er abfällig." (Seite 40)

Seth wirkt stets ein wenig steif, trägt aber sein Herz am rechten Fleck. Nach dem Übergang lernt er verschiedene Menschen kennen. Zu Aelin fühlt er sich sehr hingezogen, deren Muhme, eine sehr weise Frau hilft ihm wieder gesund zu werden und es gibt noch Duncan, mit dem er sich so manches Wortgefecht liefert. Die Dialoge waren einfach nur herrlich. Es gab so viel Humor, dass ich sehr oft grinsend weiter las. Diese Personen sind wunderbar warmherzig.  Die bildhafte Sprache ist der absolute Wahnsinn. Ich war wirklich mittendrin statt nur dabei. Ich stand in den ärmsten Vierteln von London, ich roch den Gestank der Fabriken, der Pferde und der ungewaschenen Menschen, ich hörte die Rufe der Fischweiber auf den Docks. Ich sah diese armen Frauen die nichts hatten um zu überleben und darum ihren Körper verkaufen mussten, ich sah diese miesen Kerle, die diese Frauen noch mehr erniedrigten, ich roch den Alkohol und den Urin und hörte das dreckige Lachen. Und ich spürte die Angst der Frauen nachts auf die Straße zu gehen, wo der Ripper unterwegs war, aber es blieb ihnen nichts anderes übrig, denn wenn sie sich nicht verkauften, dann verhungerten sie.

Dieses Buch löste alles an Emotionen in mir aus. Ich lachte, ich weinte und ich war fassungslos und überrascht. Der Wechsel in die andere Realität verwirrte mich auf den ersten Seiten aber dann war ich auch hier gefangen. Diese Welt ist so schön beschrieben, dass der Leser einen Film vor Augen hat. Ja, ich bin mal wieder absolut begeistert. Aber man kann gar nicht anders. Dieses Buch hat alles, was ein guter Roman braucht. Ich wüsste nichts, was man besser machen könnte. Darum war ich auch schrecklich enttäuscht, als ich auf der letzten Seite angekommen war. Aaaaaaber eigentlich wäre eine Fortsetzung möglich. Ich bin sehr gespannt, ob es eine geben wird. 

Ich vergebe für dieses tolle, wenn auch mitunter brutale Buch, immerhin geht es um den Ripper, das mich so gefesselt hat, 5 von 5 Byrons, den Favoritenstatus und eine absolute Leseempfehlung. Aber der Leser sollte sich darauf einstellen, dass er keinen historischen Roman über Jack the Ripper vor sich hat, sondern eine phantastische Geschichte in der alles und nichts passieren kann. Dann wird er oder sie auch richtig Freude an dem Buch haben. 

Ich möchte noch ganz herzlich der Autorin für die tolle Betreuung während der Leserunde danken. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ich hoffe, es folgen noch viele weitere Bücher und Leserunden. 

© Beate Senft                   

Mittwoch, 20. August 2014

Andreas Roschak - Eilean Beatach 2 Das Tor zur Hölle [Beate]





Die Freunde befinden sich immer noch im „Urlaub“ auf der Insel. Aber eigentlich geht so ziemlich alles schief, was nur schief gehen kann. Angie scheint sehr krank zu sein. Irgendwie verhält sie sich mehr als seltsam.  Und dann drehen plötzlich alle durch. Nina ist verschwunden und nirgends zu finden. Susann entdeckt grausliches, Robert und Mike kämpfen Seite an Seite und alles steuert unaufhaltsam auf das große Finale zu. Der alte McCullen hat seine Pläne, doch wird er sie umsetzen können? Und was hat es mit Brad Darnell auf sich? Wer ist dieser Großkotz und was will er ausgerechnet von Nina. Plötzlich finden sich alle auf der Insel wieder. Den Urlaub können sie echt vergessen. 
Wow. Was für eine Fortsetzung. Die Geschichte geht nahtlos weiter.  Die Freunde stehen immer größeren Problemen gegenüber und irgendwann geht es nur noch um das nackte Überleben. Ich bin wirklich richtig begeistert. Die Geschichte ist so wahnsinnig spannend und der Autor hat sich echt was einfallen lassen. Da kann überhaupt keine Langeweile aufkommen. Das Ende hat mich dann total geflashed und ganz ehrlich? Für mich ist es das einzig annehmbare Ende überhaupt. 

Der Schreibstil ist natürlich genauso toll wie in Teil 1. Was anderes hatte ich auch gar nicht erwartet. Die vielen Wendungen, Irrungen und Wirrungen haben die Spannung konstant oben gehalten. Die Charaktere wachsen während der Geschichte über sich hinaus, aber sie wirken immer noch realistisch. Es mutiert niemand zum Superhelden. So etwas mag ich nämlich überhaupt nicht. Ich las mal einen Thriller, in dem eine Polizistin sehr schwer durch ein großes Stück Glas verletzt wurde um anschließend auch noch vor einer explodierenden Bombe fliehen zu müssen und noch einiges mehr abbekam und sie ermittelt einfach munter weiter, als hätte sie nur einen Splitter im Finger. So etwas ärgert mich total. 

Der mystische Einschlag hat mir unglaublich gut gefallen. Der Kampf Gut gegen Böse war nicht wie erwartet. Immer wieder stellte sich mir die Frage was das Böse eigentlich ist. Aber ich möchte euch nicht mehr verraten. Wer den 1. Teil gelesen hat, wird auch auf jeden Fall den 2. Teil lesen. Ich vergebe für diesen spannender Zweiteiler 5 von 5 Byrons, den Favoritenstatus und eine Leseempfehlung für alle Horrorfreunde und auch den Freunden der etwas härteren Gangart. Ich werde Robert, Angie, Mike, Susann, Slate und Nina vermissen. Aber wer weiß, vielleicht lese ich die beiden Teile ja irgendwann noch einmal. Gut genug sind sie. 




© Beate Senft                                       



Samstag, 16. August 2014

Markus Heitz - Exkarnation [Beate]



Claire, die sympathische  Inhaberin eines irischen Cafés, muss mit ansehen, wie ihr Mann direkt vor dem Café überfallen wird. Sie eilt ihm zu Hilfe, wird aber von einem Auto überfahren. Aus Sorge um ihre Tochter und ihren Mann bringt sie ihre Seele dazu, in einen fremden Körper einzudringen. Der Körper von Lene Bechstein war aber eigentlich für die Seelenwanderin Anastasia gedacht. Als die Organisation um Anastasia den Fehler bemerkt, wollen sie Claire töten, doch die kann fliehen. Was wird hier gespielt? Wem kann sie trauen und wer wird ihr helfen? Claire hat Angst den Verstand zu verlieren. 
Eric stellt und tötet Wanderseelen um die Menschheit vor ihnen zu schützen. Dabei trifft er auf eine Organisation, die diese Seelen fängt. Was haben sie damit vor? Erik versucht sich bei der Organisation einzuschleusen. Wird ihm das gelingen?

Claire ist eine sehr sympathische Frau, die glücklich mit ihrem Mann Finn und ihrer Tochter in Halle lebt und dort ein beliebtes irisches Café betreibt. Doch von einem Moment auf den anderen wird ihr Leben und ihr Glück zerstört und sie findet sich in einem fremden Körper wieder und soll dabei helfen, die Seelenwanderer zu töten, die die Menschheit unterjochen möchten. Allen voran Anastasia, die eine der mächtigsten Seelenwanderer ist. Claire muss über sich hinaus wachsen und die Rolle ihres Lebens spielen. 

Im zweiten Erzählstrang begegnen wir Eric von Kastell aus Ritus / Sanctum wieder, der immer noch unterwegs ist Wandelwesen zu fangen und zu töten. Ich fand es wirklich toll, dass Eric mit von der Partie ist und auch Sia aus Judastöchter spielt hier wieder eine Rolle. Leiden berührt dieser Handlungsstrang den von Claire so gut wie gar nicht. Aber da es noch einen 2. Teil geben wird, kann das ja noch kommen, denn Exkarnation hört auch mit einem fiesen Cliffhänger auf. 

Wie man es von Markus Heitz gewöhnt ist, gibt es verschiedene Erzählstränge, viele  verschiedene Handlungsorte und Charaktere. Aber alles passt harmonisch zueinander und ergibt einen Sinn. Die Charaktere sind sehr vielschichtig und komplex und mit Claire konnte ich mich sofort identifizieren. Ich muss sagen, dass ich sie bewunderte, wie sie mit all diesen verrückten Dingen umging. Ich wäre wahrscheinlich einfach durchgedreht und hätte sabbernd und lallend in der Psychiatrie gesessen. 

Der Schreibstil von Markus Heitz ist flüssig und gut zu lesen, aber manchmal einen Tick zu ausufernd. Manches kam mir ein wenig zu viel erklärt vor, so dass sich die Geschichte an manchen Stellen ein klein wenig zog. Aber das war jetzt nicht so gravierend und ich vergebe guten Gewissens 4 von 5 Byrons und eine Leseempfehlung an alle Fantasy- und Horrorfreunde. Von dem Begriff Thriller auf dem Cover sollte man sich nicht irritieren lassen.

© Beate Senft                   




Freitag, 15. August 2014

Richard Laymon - Der Geist [Beate]



So ein Ouija-Brett strahlt eine ungeheure Faszination aus, der sich kaum jemand entziehen kann. So geht es auch einer Gruppe Studenten, die so ein Brett auf der Abschiedsparty von ihrer Dozentin finden. Schnell haben sie auch Kontakt zu einem Geist, der ihnen von einem Schatz in den Bergen erzählt. Natürlich macht sich die Gruppe sofort auf den Weg in die einsame Gegend um den Schatz zu finden. Doch sie sind nicht alleine......

"Der Geist" ist ein typischer Laymon. Eine Gruppe von jungen Menschen begibt sich in Gefahr. Manche wachsen über sich hinaus, einer bleibt der Arsch der er schon immer war, es gibt die Sympathieträger und der Rest ist ganz o.k.. Und wie von Laymon gewohnt, gibt es wieder einiges an Spannung, Sex und Gewalt. Das gehört einfach dazu. Nein, das macht diese Bücher aus und ist fester Bestandteil.   Darum lieben wir diese Geschichten. Darum hat Laymon auch in Deutschland seine treuen Fans, auch über seinen Tod hinaus.

Eigentlich spare ich mir die Bücher von Richard Laymon für schlechte Zeiten auf. Eine Leseflaute? Kein Problem, ein Laymon geht immer. Aber dieses Mal konnte ich das Buch einfach nicht ins Regal stellen, sondern erlag der Versuchung. Das lag wohl auch daran, dass einige Leute aus unserer Horrorgruppe das Buch auch sofort lasen und mir gewaltig die Nase lang machten.

Der Einstieg war wieder absolut problemlos und ich war schon auf der ersten Seite in der Geschichte gefangen. Der ewig wuschige Howard und die schüchterne Angela schloss ich sofort in mein Herz. Aber auch die Dozentin Corie und ihr Freund Chat mochte ich ziemlich gerne. Die anderen Charaktere fand ich gut gelungen, wenn auch nicht immer sympathisch. Aber das müssen sie ja auch nicht alle sein.

Gleich nachdem Kontakt mit dem Geist, macht sich die Gruppe auf den Weg. Sie rüsten sich aus und fahren einfach planlos mitten in die Berge. Schon vorher bekommt man die erste Gänsehaut verpasst und nachdem sie dann angekommen sind, geht es richtig los. Es gab eine kurze Zeitspanne, in der es mir ein wenig zu viel um Sex ging und die Spannung etwas nachließ. Aber die letzten 50 Seiten konnten mich wieder versöhnen. Ich las dann wirklich bis morgens um 02:00 Uhr, weil ich unbedingt wissen musste, wie das Buch endet.

Laymons Schreibstil ist einfach super. Plastisch und bildhaft, erzeugt er ein tolles Kopfkino. Dabei liest sich die Geschichte locker und flüssig. Ich bin ehrlich froh, dass ich noch einige ungelesene Bücher des Autors im Regal stehen habe und hoffe, dass auch noch so manches ins Deutsche übersetzt wird. Es ist schon ungerecht, dass so ein toller Autor so früh sterben musste.Er hat einfach eine ganz besondere Art zu schreiben, die auch bei "Der Geist" voll zum Tragen kam. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es warteten einige Überraschungen auf das Jungvolk.

Ich vergebe für diese 500 Seiten tolle Unterhaltung 4 von 5 Byrons, weil es noch spannendere Bücher des Autors gibt. Eine Leseempfehlung muss ich, glaube ich, nicht aussprechen, denn sicher haben alle Horrorfans schon von Richard Laymon gehört. Wenn nicht, solltet ihr das schnellstens nachholen. Es lohnt sich wirklich. 

© Beate Senft